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Tolkien, John R.R.

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Seine Studienzeit

Im Herbst 1911 begann Tolkien, in Oxford Philologie zu studieren. Er hatte es am Anfang nicht sonderlich leicht, mit den älteren Studenten zurechtzukommen, die meist aus reicheren und teils aus adeligen Familien stammten. Doch nach einiger Zeit hatte er sich an das Universitätsleben gewöhnt: er spielte Rugby, schloß sich dem Essay-Club und der Dialektischen Gesellschaft an, wo man bald sein Beisein schätzte. Nach einer Zeit gründete er zusammen mit anderen Neulingen seinen eigenen Club mit dem Namen “The Ablausticks", in dem, meist bei gutem Essen, Aufsätze vorgelesen, diskutiert und debattiert wurden. Bei solchen Männergesellschaften (es gab nur wenig Studentinnen in Oxford und diese wurden getrennt unterrichtet) fühlte er sich am wohlsten, wenn gegessen, geraucht und diskutiert wurde. Er beschäftigte sich weiterhin mit seinen Schriften, begann wieder, wie in seiner Kindheit, zu zeichnen, probierte sich in der Kalligraphie, lernte nun richtig das Wallisische, beschäftigte sich mit den germanischen Sprachen und begann, Keltisch und Finnisch zu lernen. Bei dem Finnischen mochte er besonders den nordischen Mythos der “Kalevala”, den er in finnischer Sprache las und übersetzte. Zu Weihnachten 1911 kam er zu einer Theateraufführung des Tee-Clubs mit seinen alten Freunden an der King Edward’s Schule. Bei dieser Aufführung spielte er nach nur sehr wenigen Proben die Hauptrolle. Das Universitätsleben ging weiter und Weihnachten 1912, wo er nun fast 21 Jahre alt war, schrieb er ein Theaterstück, “Der Detektiv, der Chef und die Suffragette", welches u.a. mit ihm als Schauspieler im Familienrahmen dargestellt wurde. Im späteren Leben bekannte er sich dazu, daß er das Theater nicht besonders mochte - er interessierte sich mehr für die Lyrik und besonders für die Epik.

Im Januar 1913 wurde Ronald 21 Jahre alt und somit volljährig. Pater Francis war nun nicht mehr sein Vormund und er konnte endlich Edith wiedertreffen, worauf er so lange gewartet hatte. In der langen Zeit, wo sie getrennt waren, hatte sich in der Sehnsucht die Liebe von einem zum andern stark entwickelt und sie verlobten sich sofort, sie sagten es aber noch niemandem. Ronald stand im Streß seiner Prüfungen für den Oxforder “Honour Moderation” - dem Abschluß des ersten Teils seines Studiums. Er bestand diese Prüfungen zum Bedauern seiner Professoren “nur” mit dem zweiten Rang (von Vier), hatte aber ein ausgezeichnetes Ergebnis in seinem Spezialfach der vergleichenden Philologie. Er studierte ab Sommer 1913 nun nicht mehr klassische Philologie, sondern begann, an der Fakultät für englische Sprache und Literatur Anglistik zu studieren. Diese Fakultät war (inoffiziell) in zwei verfeindete Teile geteilt: den sprachlichen Teil, der sich mit der Entwicklung der englischen Sprache (Alt- und Mittelenglisch), der Philologie und der englischen Literatur bis Chaucer beschäftigte und dem modernen Teil, der sich mit der Literatur nach Chaucer bis in das 19. Jahrhundert beschäftigte. Tolkien gehörte natürlich dem sprachkundlichen Teil an, den die “Modernen” als “Wortklauberei und Pedanterie” bezeichneten. Weil aber alle Studenten Anglistik studierten, mußten auch alle zu den Vorträgen beider Gruppen gehen. Mittlerweile studierten alle Mitglieder des Tee-Clubs: G. B. Smith mit Tolkien in Oxford und R. Q. Gilson und Christopher Wiseman in Cambridge. Sie trafen sich von Zeit zu Zeit, tauschten Erfahrungen aus ihrem Studium aus und lasen kritisch Texte und Gedichte der anderen.

1914 wechselte Edith in die katholische Kirche, der Ronald angehörte. Sie tat dies nicht aus Überzeugung, doch Ronald, der sehr gläubig war, bestand darauf. Außerdem wollten sie sich nun auch öffentlich verloben und Pater Francis, von dem Ronald noch finanziell abhängig war, duldete dies nur, wenn Edith auch katholisch werden würde.

Der 1. Weltkrieg hatte begonnen und Ronald beschloß, nach einem Aufenthalt mit Edith in Cornwall, gegen den Willen seiner Verwandten, die erwarteten, daß er freiwillig, wie sein Bruder, für England in den Krieg gegen Deutschland ziehen würde, sein Studium zu beenden, bevor er dann zwangsweise eingezogen würde. Noch während seiner letzten Semester machte er eine harte militärische Grundausbildung im Park der Universität, weil er sonst schon zu dieser Zeit richtig in den Krieg hätte ziehen müssen. Er begann während dieser Zeit, auch erste Gedichte zu schreiben, zum Teil in normalem Englisch, aber auch in einer neu entwickelten Sprache, die dem Finnischen sehr nahe war. In diesen Gedichten kamen erste Elemente vor, die später in seiner Welt des Silmarillions wieder auftraten.

Im Sommer 1915 beendete er sein Studium und erhielt den ersten Rang mit Auszeichnung. Er wurde weiterhin in militärischen Dingen unterrichtet, wurde häufig verlegt und erhielt den Rang eines Offiziers. Er entschied sich nun zu einer Spezialausbildung in der Nachrichtenübermittlung, weil ihm keine der anderen militärischen Alternativen besser gefiel.


  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
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Siehe auch:
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